Call for Papers: Fotografie und Ökonomie

5. Workshop der AG Fotografieforschung

6./7. Juni 2019 am Seminar für Medienwissenschaft, Universität Basel, Schweiz

 

Der diesjährige Workshop der AG Fotografieforschung widmet sich dem Thema «Fotografie und Ökonomie» und stellt dahingehend die grundsätzliche Frage, auf welche Weisen sich mit Fotografie Geld verdienen lässt. Medienpraxis im Allgemeinen lässt sich außerhalb eines ökonomischen Rahmens nicht denken. Und so stellen sich spezifisch für die Fotografie die Fragen, welche Praktiken es sind, die zum Geldverdienen führen, aber auch, welchen (ökonomischen) Bedingungen die Anfertigung und die Verbreitung von Fotografien unterworfen sind.

Die Fotografie unterliegt im Laufe ihrer Geschichte nicht nur wechselnden ökonomischen Rahmenbedingungen, die bestimmte fotografische Praktiken und Techniken fördern, hinfällig machen oder von ihnen initiiert werden. Aufgrund der zahlreichen technischen, ästhetischen und mediengeschichtlichen Entwicklungen ändern sich zugleich die ökonomischen Potenziale des Mediums, für Produzent_innen wie Konsument_innen. Ein zentrales Spannungsfeld tut sich dabei zwischen unter anderem zwei Bestrebungen auf: einerseits die an sich eher handwerklich angelegte Technik der Fotografie zu industrialisieren, andererseits den Kunststatus des Mediums zu befragen, welche beide in der immer wieder aufs Neue virulenten Problematik des Urheberrechts konvergieren.

Im Lauf der Fotogeschichte entstanden Apparate und wuchsen die Bilder produzierende Fotoindustrien. Genauso verabschiedeten sie sich – mal schneller, mal langsamer – wieder von der Bildfläche und mit ihnen auch Distributionskanäle und Vermarktungsstrukturen. Unter diesen wechselnden Rahmenbedingungen artikulierte sich auch der Kunstanspruch der Fotografie immer wieder neu und anders: als Etikett für massenhaft vervielfältigte Produkte wie z.B. Visitkartenporträts, als Gegenwelt zu ökonomischen Imperativen im Piktorialismus der Amateure, als Entdeckung der Fotografie vom Kunstmarkt und als Neubewertung alter Abzüge als ‚vintage print‘, um nur einige wichtige Ausprägungen zu nennen.

Aus ökonomischer Hinsicht zu betrachten ist auch die Frage des Zugangs, die sich zunächst in Bezug auf die Konsumtion von Bildern stellt, im Laufe der Geschichte aber verstärkt hinsichtlich der Produktion von Fotografien. Einen Bruch mit den traditionellen Verhältnissen bilden gerade hier die neuen – nicht pekuniären – Ökonomien des Bildertauschens im Internet, die darauf basieren, dass sich ökonomische Hindernisse Fotografien zu produzieren und zu publizieren verringern. Der neue vernetzte, kollektive Bilderraum ist aber auch von wirtschaftlichen Strukturen betroffen und seien es nur die Imperative der Aufmerksamkeitsökonomie. In Bezug auf den Umbruch von der analogen zur digitalen Fotografie wäre also zu untersuchen, wie sich die grundsätzlich mit dem Medium der Fotografie verbundene Ökonomie des Tauschs, die Allan Sekula in The Traffic in Photographs so prägnant herausgearbeitet hat, neu formatiert.


Im Workshop sollen die Verbindungen von fotografischen Formen mit ökonomischen Verwertungszusammenhängen weit gefasst von der Frühzeit des Mediums bis hin zu zeitgenössischen Problematiken reflektiert und diskutiert werden. Neben der historischen Dimension gilt es den Wert ökonomischer Theorien für die Beschäftigung mit Fotografien zu erkunden. Schließlich soll – in der Tradition der Workshops der AG Fotografieforschung – auch nach den methodologischen Konsequenzen und Umsetzungen gefragt werden, mit denen ökonomische Aspekte für die Analyse konkreter Bilder produktiv gemacht werden.

Im Sinne des Workshopcharakters steht die Diskussion im Vordergrund. Vorab wird von den eingeladenen Referent_innen ein ca. 8-seitiges Papier eingereicht, das die methodischen Überlegungen und Fragen an einer eigenen Fallstudie oder anhand einer exemplarischen und einschlägigen Position umreißt. Das Papier soll von allen Workshop-Teilnehmer_innen gelesen worden sein. Auf dem Workshop wird lediglich eine maximal 10minütige Impulspräsentation stattfinden, die das jeweils diskutierte Material mit den Leitfragen koppelt. Im Anschluss jeder Präsentation findet eine ca. 30minütige Diskussion statt.


Zur Einreichung von Beiträgen genügt eine maximal einseitige Skizze (ca. 300 Wörter), die bis zum 08. März 2019 bei den Organisator_innen (Email: esther.stutz@unibas.ch; ruchatz@staff.uni-marburg.de) eingegangen sein muss.

Um die Vorbereitung der Papiere durch die Teilnehmer_innen des Workshops zu ermöglichen, müssen die finalen Papiere bis spätestens zum 17. Mai 2019 vorliegen.

Um die Planung zu erleichtern, wird gebeten, auch die Teilnahme als einfache Diskutant_innen baldmöglichst anzumelden. Für die Teilnahme als Diskutant_in oder als Referent_in ist es nicht zwingend notwendig, Mitglied der GfM oder der AG Fotografieforschung zu sein.

Der Workshop findet vom 6.–7. Juni statt. Tagungsort ist das Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel.

https://medienwissenschaft.philhist.unibas.ch/Organisiert von Esther Stutz (Basel) und Jens Ruchatz (Marburg)