Ort: Kollegienhaus, Petersplatz 1 in 4051 Basel; Hörsaal 118
Veranstalter:
Department Künste, Medien und Philosophie
Mittwoch, 18. November 2026 um 18.15 Uhr mit anschliessendem Apéro
Universität Basel
Kollegienhaus, Hörsaal 118
Petersplatz 1
4001 Basel
Veranstalter: Department der Künste, Medien und Philosophie
Bernhard Siegert im Gespräch mit Markus Krajewski, Harun Maye und Ralph Ubl
Donnerstag, 19. November 2026 von 10 Uhr (s.t.) bis 12 Uhr
eikones
Forum 028
Rheinsprung 11
4051 Basel
Der Vortrag unternimmt den Versuch, anhand einer Reihe von historischen Beispielen – vom Projekt der Totalaufzeichnung dessen, was ist in den hispano-amerikanischen Kolonien im 16. Jahrhundert bis zum „digital ocean“ des 21. Jahrhunderts – die Operationalisierung des „Realen“ (im Sinne Jacques Lacans) mithilfe der drei Kategorien des Infamen, des Informen und des Infimen zu historisieren.
Das Infame ist das, was es nicht wert ist, erzählt zu werden. Das Informe ist das, was sich der Repräsentation entzieht, weil es gestaltlos ist und weil es an sich für die Vernunft unerträglich ist. Das Infime ist dasjenige, was im Medium der Alphabetschrift nicht aufschreibbar ist und nur mittels technischer Analogmedien oder hochauflösender Sensortechnik und digitaler Abtastung speicherbar ist. Das Infame, das Informe und das Infime bezeichnen die historischen Limits der Codes (vom alphanumerischen bis zum Binärcode), die den operativen Kern von Kulturtechniken der Datenverarbeitung ausmachen.
Motiviert ist dieser Versuch durch das gegenwärtige Umweltlichwerden von Computation, das die Erkenntnis unvermeidlich werden lässt, dass die „Karte das Territorium ist.“ Wir stehen vor der Herausforderung, zu ermessen, was es heißt, dass das Umweltlichwerden von Computation dabei ist, eine Ontologie herbeizuführen, in dem das Reale turing-berechenbar wird. Eine der Konsequenzen dieser Entwicklung ist, dass Ökologie Ontologie vorausgeht: Medien und Natur, das Symbolische und das Reale, sind nicht länger kategorisch unterschieden, sondern nur vorübergehend stabilisierte Ergebnisse eines rekursiven Prozesses, in dem sie sich gegenseitig hervorbringen – als „medianatures“. Eine weitere Konsequenz wäre, dass die in der Theorie der Berechenbarkeit und in Teilen der Physik vollzogene Verabschiedung des Begriffs des Kontinuums von der Realität eingeholt wird, was grundsätzlich die Frage aufwirft, wie das Verhältnis von Maschine und Natur zu denken ist. Nietzsche-Lektüre kann hier – zumindest ein Stück weit – hilfreich sein.
Bernhard Siegert ist Medienwissenschaftler und Medientheoretiker.
Von 2001 bis 2025 war Siegert Gerd-Bucerius-Professor für Geschichte und Theorie der Kulturtechniken an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar.
In seinem Vortrag im Rahmen der 8. Nietzsche-Vorlesung spricht er über «Das Infame, das Informe, das Infime»
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