Das Profil der Basler Medienwissenschaft ist in der Schweiz einzigartig: Medienwissenschaft wird hier als kritische Geistes- und Kulturwissenschaft und als Analyse von Prozessen der Wissens- und Informationsgesellschaft betrieben. Gelehrt werden Medienästhetik, Mediengeschichte sowie Medien- und Kulturtheorien. Medien werden im Wechselverhältnis mit grundlegenden Kulturtechniken (vom Schreiben und Rechnen bis hin zum Share und Like) und in ihren Funktionen des Speicherns, Übertragens und Verarbeitens von Daten und Informationen untersucht.Entsprechend dieser Forschungsausrichtung gliedert sich das Bachelorstudium in acht Module, aus denen sich die Lehrveranstaltungen zusammensetzen:

Einführung

Einführungsmodul

Das Einführungsmodul gibt einen historischen und systematischen Überblick über die Grundlagen der Medienwissenschaft. Die obligatorische Einführungsvorlesung im Herbstsemester vermittelt zentrale Konzepte, Denkfiguren und Theorien der Reflexion über Medien. Dabei geht es um grundsätzliche Fragen, wie etwa was Medien sind und wie sie unsere Gegenwart bestimmen, ebenso wie um die Geschichte des Fachs und seiner Denktraditionen. Begleitet wird die Vorlesung durch ein ebenfalls obligatorisches Tutorat, in dem die wichtigsten Texte diskutiert werden.

Medien des Digitalen

Medien des Digitalen

Dieses Modul behandelt Geschichte und Gegenwart digitaler Medien. Es stellt Dispositive des Digitalen ins Zentrum der Untersuchung und behandelt sowohl gegenwärtige Praktiken in digital codierten, medialen und technischen Anordnungen als auch die historische Genese digitaler Medien. Dabei werden mediale Verfahren wie beispielsweise share und like, microblogging und networking in ihren Anordnungen und Handhabungen reflektiert. Zudem geht es darum, ihre historischen und medientechnischen Bedingungen, Machtkonstellationen sowie ökonomischen und politischen Kräfte zu analysieren, die jene fundamentalen Prozesse der digitalen Transformation massgeblich bestimmen. Soziale Medien, Navigationssysteme, Suchmaschinen und maschinelles Lernen operieren zunehmend bildbasiert, weshalb einer der Schwerpunkte dieses Moduls auf der Untersuchung von Bildpraktiken liegt.

Mediale Infrastrukturen

Mediale Infrastrukturen

Dieses Modul lenkt die Aufmerksamkeit auf das konstitutive Verhältnis von Medienpraktiken sowie lokaler und globaler Infrastrukturen. Das Mediale wird in diesem Modul auf die materielle Basis von Kommunikation, Handlungen und Kontrollformen zurückgeführt. Mediale Infrastrukturen sind oft unsichtbar, zugleich jedoch allgegenwärtig. Das gilt etwa für visuelle Organisationsformen wie Raster, Listen und Diagramme, für Interfaces, Datennetze und Serverfarmen, virtuelle Infrastrukturen der Social Media-Plattformen oder der Spieleindustrie; für Anordnungen von Wegen, Gleisen, Routen und Karten in Transportmedien ebenso wie für haptische Gegenstände wie Stecker, Schalter oder Tastaturen. Insofern mediale Infrastrukturen implizit erzeugen, was institutionell als Standardisierungen und Normierungen oder sozial als angemessenes Verhalten festgeschrieben wird, weisen Untersuchungen medialer Infrastrukturen auf politische und ökonomische Machtverteilungen hin. Infrastrukturen bringen Dinge zum Fliessen und zum Funktionieren, sie bedingen und formen unseren Handlungsspielraum, werden aber meist nur sichtbar, wenn es zu Störungen kommt.

Wissenschafltiches Arbeiten

Wissenschaftliches Arbeiten

Dieses Modul vermittelt grundlegende ebenso wie avancierte Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens, mit besonderem Fokus auf dem Umgang mit medialen Artefakten, wie Texten, Bildern, Filmen und Klangmaterial, sowie historischen Dokumenten und Codes. Konkret wird vermittelt: Wie ordnet man eine Quelle kundig ein? Was ist eigentlich eine eigene These und wie lässt sich diese argumentativ entwickeln? Wie schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit? Was ist ein Essay? Die Medienwissenschaft bietet zahlreiche analoge wie auch digitale Techniken an, um Archivrecherche zu betreiben, Materialsammlungen zu erstellen, zu organisieren und Wissensbestände zu systematisieren, um davon ausgehend Frage- und Problemstellungen für wissenschaftliche Arbeiten zu entwickeln.

Ästhetik und Kritik

Ästhetik und Kritik

Dieses Modul untersucht Aspekte der Wahrnehmung im Kontext ihrer medientechnischen Bedingungen. Künstlerische Verfahren ebenso wie Alltagspraktiken und historische Weisen des Sehens, Hörens oder Tastens sind gleichermassen Gegenstand und werden mit ihren medialen Bedingungen konfrontiert. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit vor allem auf Prozesse und Prozeduren zu richten, die sich als konstitutiv für historische und kulturelle Formen der Welterfahrung erweisen, aber selbst nicht wahrnehmbar sind. Dabei gilt es, die blinden Flecken unserer alltäglichen Wahrnehmung in Medienanordnungen zu erforschen und ihre Wirkungen kritisch zu reflektieren. Dazu werden konkrete Anordnungen von Wahrnehmungsdispositiven ins Verhältnis zu entsprechenden ästhetischen Theorien gesetzt. Das kritische Studium medialer Ästhetiken interessiert sich besonders für die Bedingungen technischer Medien, etwa wenn sie die bewusste Wahrnehmungsschwelle des Publikums konstitutiv unterlaufen. Historische und aktuelle Theorien der Wahrnehmung werden in diesem Kontext nicht nur erklärend hinzugezogen, sondern aus der Perspektive des medientheoretischen Ansatzes kritisch bewertet.

Kulturtechniken

Kulturtechniken

Dieses Modul beschäftigt sich mit den grundlegenden und avancierteren Verfahren, aus denen kulturelle Leistungen und Errungenschaften hervorgehen. Im Fokus steht das Zusammenspiel von Praktiken, Materialitäten und Medien, die am Entstehen von Kultur beteiligt sind, ebenso wie die Handlungen und Prozesse, mit denen das konstitutive Wissen einer Kultur tradiert wird. Die Studierenden erarbeiten systematische und historische Perspektiven auf eminente Tätigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Messen, Programmieren, etc. und lernen Kulturtechniken als Triebkräfte medialer und kultureller Prozesse in ausgewählten Szenarien zu diskutieren.

Theoretische Perspektiven

Theoretische Perspektiven

Dieses Modul beschäftigt sich systematisch und historisch mit Medientheorien ebenso wie mit medientheoretischer Perspektivierung anderer disziplinärer Ansätze. Medienwissenschaftliche Theoriebildung wird dabei als interdisziplinäres und transdisziplinäres Unternehmen der Einsicht und Erkenntnis verstanden, das vom Wissen der Bildwissenschaft, Informatik, Linguistik, Philologie, Philosophie, Soziologie oder der Wissenschaftsgeschichte nicht zu trennen ist. Das begriffsgebundene Wissen der Theorie dient daher auch nicht zuerst der Klassifikation von Medien und deren Leistungen, sondern vermittelt die Fähigkeit, medienwissenschaftliche Problemstellungen formulieren, bearbeiten und weiterentwickeln zu können.

Medienökologien

Medienökologien

Dieses Modul untersucht die Geschichte, Genese und die Theorien medialer Umwelten. Was Medienökologien sind, wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: erstens, in der Erforschung historischer und gegenwärtiger Vernetzungen von Medien und medialen Anordnungen zu medialen und kulturellen Umgebungen, in denen Daten als Bilder, Texte, Klänge oder auch als Waren zirkulieren; zweitens, als Frage, wie Medien daran beteiligt sind, Konzepte wie etwa die Unterscheidung von Natur und Kultur zu konstruieren und solche Differenzen auch wieder in Frage zu stellen; drittens, untersucht Medienökologie die Verhältnisse von technisch-medialen Praktiken zu den Ressourcen, die sie zur Produktion medialer Umgebungen brauchen und verbrauchen. Es gilt demnach nicht nur, die jeweiligen Milieus und Ökologien aus der Perspektive der Medienwissenschaft zu analysieren, sondern komplementär dazu die Beteiligung von konkreten Medien wie Diagrammen, Fotografien oder akustischen Aufnahmen an der je historischen Konstruktion des Verhältnisses von System und Umwelt zu begreifen.

Medienwissenschaft in Basel studieren

Was heisst es, Medienwissenschaft in Basel zu studieren? Wie sieht der Uni-Alltag aus? Welche Themen und Fragestellungen werden im Studium behandelt, welche Anforderungen an Studierende gestellt? Und welche beruflichen Perspektiven eröffnet die Medienwissenschaft? Fünf fortgeschrittene Studierende der Medienwissenschaft an der Uni Basel geben Auskunft.
Basel, Seminar für Medienwissenschaft 2023